Allianz-Sommerkirche 2025:
Gottesdienst im Gemeindezentrum ARCHE am 27. Juli 2025
Thema: Trostwort in schweren Zeiten
Angela Tiesler
Predigttext: 2. Korinther 1,3-7 (LUT)
3Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott. 5Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus. 6Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden. 7Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.
Einleitung
Liebe Geschwister,
als ich das Thema erfahren habe, das Ihr als Arche-Gemeinde Euch für diesen Sonntag aufgegeben habt, war ich etwas überrascht. Einmal, weil das ein Thema ist, das in vielen Gemeinden ganz ausgeblendet wird – warum, darüber kann ich nur spekulieren. Zum Zweiten dachte ich, dass es ein Thema ist, das eher am Ende des Kirchenjahres zum Volkstrauertag oder Ewigkeitssonntag auf dem Plan steht – oder auf Beerdigungen. Ich gebe zu, dass ich mich erst mal damit anfreunden musste, mitten im Sommer, wo wir eher freudige Ereignisse und Unbeschwertheit erwarten, das Thema „Trostwort in schweren Zeiten“ zu beleuchten.
Als ich dann aber geschaut habe, was die Bibel zu diesem Thema zu sagen hat, kam eine ganze Fülle zu Tage und ich musste versuchen, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, um die Predigt nicht zu überfrachten. Es gibt also zu diesem Thema noch eine ganze Menge mehr zu sagen. Ich beschränke mich auf die Gedanken, die mich relativ schnell angesprochen haben.
1. Was sind „schwere Zeiten“?
Die erste Frage, die ich mir gestellt habe ist die, was denn eigentlich „schwere Zeiten“ sind. Sicherlich wird das ganz unterschiedlich beschrieben. Wenn wir heute hier eine Umfrage machen würden, was Einzelne unter uns als „schwere Zeiten“ bezeichnen würden, hätten wir bestimmt ganz unterschiedliche Definitionen. In der Bibel finden wir viele Menschen, die „schwere Zeiten“ durchgemacht haben.
Das fängt bei Adam und Eva an, die „schwere Zeiten“ quasi als Strafe für den Sündenfall auferlegt bekamen:
„16 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. 17 Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang.“ (1. Mose 3,16+17, LUT)
Ich stelle mir vor, dass diese beiden „schwere Zeiten“ ganz andere definieren würden als beispielsweise König David oder im Neuen Testament die Jünger von Jesus oder noch später der Apostel Paulus. Adam und Eva hatten das Paradies, die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, ihrem Schöpfer, erlebt und mussten dann ohne diese enge Gemeinschaft mit ungleich größeren Herausforderungen als zuvor umgehen lernen. „Schwere Zeiten“ sind also primär eine Folge dieser Trennung von Gott, in die alle Generationen von Adam und Eva an hineingeboren werden. Insofern sind „schwere Zeiten“ gar nichts so Besonderes, sondern eher der Normalzustand in unserer gefallenen Welt. Vermutlich würde die Generation meiner Eltern und Großeltern, die ein oder sogar zwei Weltkriege er- und überlebt haben, eine „schwere Zeit“ auch anders definieren als ich das tue. „Schwere Zeiten“, wie zum Beispiel eine meiner Urgroßmütter sie durchlitten hat, die im ersten Weltkrieg als junge Witwe mit drei kleinen Töchtern ohne Ehemann dastand, sind mir Gott sei Dank bisher erspart geblieben. Und doch habe auch ich Zeiten erlebt, die ich für mich als „schwere Zeit“ eingeordnet habe: Zeiten, in denen es mir nicht gut ging – seelisch, körperlich oder in Beziehungen. Genauso habt auch Ihr in Eurem Leben „schwere Zeiten“ erlebt oder steht noch darin, von denen womöglich kein anderer Mensch etwas ahnt.
Wir sehen, dass es keine allgemeingültige Definition einer „schweren Zeit“ gibt. Was für den Einen schwer zu bewältigen ist, lässt die Andere nur milde lächeln. Wie ich eine Herausforderung erlebe und wie ich sie einordne, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Da spielt eine Rolle, ob ich schon mal Ähnliches bewältigt habe, ob ich Unterstützung erfahre oder mich alleingelassen fühle, wie viel Kraft mir gerade körperlich, seelisch oder geistlich zur Verfügung steht u.v.m.
Eine Definition einer „schweren Zeit“ entdecke ich in manchen Psalmen, wo von einem „zerbrochenen/zerschlagenen Herzen“ die Rede ist:
„Denn ich bin arm und elend und mein Herz ist zerschlagen in mir“ betet David in Psalm 109,22 (LUT). „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind und verbindet ihre Wunden“,
lesen wir in Psalm 147,3 (LUT). Überhaupt sind die Psalmen eine wahre Fundgrube für Berichte von „schweren Zeiten“ und Möglichkeiten des Umgangs damit. Nicht nur David, dessen ganze Lebensgeschichte (ausführlich in den Samuel-Büchern beschrieben) eine Kette von „schweren Zeiten“ zu sein scheint, sondern auch andere Psalmbeter reihen sich hier ein.
Das zeigt mir, dass Menschen, die mit Gott verbunden sind und mit ihm leben, nicht vor solchen „schweren Zeiten“ verschont werden. Im Gegenteil: Wenn wir die Bibel im Zusammenhang lesen, stellen wir fest, dass oft gerade diejenigen, die besonders treu sind, Schwierigkeiten unterschiedlichster Art erleben. Denken wir nur an die Urväter Abraham, Isaak und Jakob, dann auch an Josef und Mose – und später an die Propheten, die reihenweise umgebracht wurden, weil sie die Botschaften Gottes in Treue weitergegeben haben. Gleichzeitig machen wir aber auch eine andere Beobachtung: Gott lässt seine Leute NIE im Stich, sie sind niemals wirklich alleine, auch wenn sie sich oft so fühlen. Auch das beschreibt David in vielen seiner Psalmen, das Gefühl, von allen verlassen und auf sich allein gestellt zu sein – ja, noch nicht einmal mehr die Nähe Gottes zu spüren. Und doch: Immer wieder erfährt David an irgendeiner Stelle den Umschwung. Er erlebt neu die Nähe und Zuwendung Gottes, oft indem er noch aus der „schweren Zeit“ heraus ein Gotteslob anstimmt und sich an das Gute erinnert, das er mit Gott schon erlebt hat. Bsp. Psalm 56 (besiegte Angst), Psalm 59, Psalm 61, u.a.
Auch alle anderen, von denen wir in der Bibel lesen, haben in ihren „schweren Zeiten“ etwas von Gottes Nähe und seinem Trost erlebt. (Psalm 119,28.50.82.92.122; Sprüche 12,25, 2. Korinther 1,3-7; 7,6+13), selbst wenn ihre Treue zum HERRN sie das Leben gekostet hat. Das sehen wir bei Stephanus, der kurz bevor er gesteinigt wurde und damit als erster Märtyrer starb, „Gott in seiner Herrlichkeit und Jesus an seiner rechten Seite“ sieht (Apostelgeschichte 7,55). Dieser Trost befähigt ihn sogar, noch im Sterben für seine Mörder um Vergebung zu bitten – wie es Jesus am Kreuz auch getan hat. (Apostelgeschichte 7,60).
2. Was ist Trost überhaupt?
Die zweite Frage, die sich mir aufdrängte, ist: Was ist Trost überhaupt?
Bei Wikipedia (aufgerufen am 19.07.2025) findet sich die folgende Definition:
„Trost ist zwischenmenschliche Zuwendung an jemanden, der trauert oder anderen seelischen bzw. körperlichen Schmerz zu tragen hat. Diese Person wird getröstet. Trost kann durch Worte, Gesten und Berührung gespendet werden. Der Schmerz und die Traurigkeit des Getrösteten soll gelindert werden; er soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist; seine seelische Verfassung soll gestärkt werden.“
Ganz ähnlich hören sich die Erklärungen zum hebräischen bzw. griechischen Wort an, das in der Bibel für Trost verwendet wird (ELB Studienbibel Sprachschlüssel). Dabei gibt es im NT noch eine Besonderheit, weil der griechische Begriff neben der Bedeutung Trost und Ermutigung noch die Bedeutung Ermahnung beinhaltet. Trösten, Ermutigung / Ermahnung gehört nach Römer 12,8 zu den Gnadengaben. Das finde ich spannend, weil Ermahnung für unsere Ohren eher einen negativen Klang hat. Wer wird schon gerne ermahnt? Getröstet und ermutigt, ja gerne, aber ermahnt? In der Bibel ist vermutlich der Akt des Ermahnens nicht mit so vielen negativen Emotionen verbunden, wie bei uns heute. Es ging dabei hauptsächlich darum, die Menschen in ihrer Gottesbeziehung zu stärken, indem sie darauf hingewiesen wurden, dass da etwas in Schieflage geraten war. Das ist heute genauso notwendig wie zu biblischen Zeiten, weil auch wir nicht davor gefeit sind, von einer gesunden Gottesbeziehung (einem gesunden Glauben) abzudriften. Dieser geistliche Aspekt beim Trösten und Ermahnen fehlt natürlich in der Definition von Wikipedia, spielt aber für uns oft eine wesentliche Rolle.
Denn gerade in „schweren Zeiten“ gerät häufig auch die Gottesbeziehung eines Menschen in Gefahr. Und gerade da kommt es auf die Formen und Zeitpunkte an, in denen Trost oder Ermahnung vermittelt werden. Wenn Ermahnung mit erhobenem Zeigefinger wie „Ich wusste, dass das nicht gut gehen kann“ oder „Sicher hast du auch einen Anteil an dem Problem“ daherkommt, werden Menschen noch tiefer ins Leiden hineingestoßen. In „schweren Zeiten“ brauchen wir zuerst Trost im Sinne von Ermutigung und konkreter Hilfe, um wieder neue Zuversicht zu gewinnen und Wege aus den Schwierigkeiten erkennen / gehen zu können. Sprüche 25,11 (LUT) drückt sehr poetisch aus, wie ein solcher Trost sein kann:
„Ein Wort, geredet zur rechten Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.“
Das rechte Wort zur rechten Zeit gehört zum Wertvollsten was ein Mensch einem anderen Menschen schenken kann.
Das bedeutet gleichzeitig, dass es Worte zur unrechten Zeit gibt! Das ist im Hinblick aufs Trösten ein wichtiger Aspekt, denn mit einem Wort – auch einem Bibelwort – zur unrechten Zeit können Menschen noch mehr verletzt und in Verzweiflung getrieben werden. Vielleicht zählt auch deshalb Paulus Ermahnung/Ermutigung zu den Gnadengaben. Es gibt Menschen, die dazu eher befähigt sind als andere: Entweder, weil sie schon von ihrer natürlichen Veranlagung her vorsichtiger und zurückhaltender sind und Gott das nutzt. Oder weil er ihnen diese Gabe im Hinblick auf einen Auftrag verliehen hat.
NICHT getröstet zu werden ist etwas, das Menschen der Bibel – genau wie wir heute – kennen. Hiob wirft z.B. seinen Freunden vor: „Wie tröstet ihr mich mit Nichtigkeiten, und von euren Antworten bleibt nichts als Trug.“ (Hiob 21,34 LUT) Oder wie es die HfA übersetzt: „Wollt ihr mich mit blankem Schwindet trösten? Jede Antwort, die ihr gebt, ist eine glatte Lüge!“
Und David klagt in Psalm 69,21 (LUT): „Die Schmach bricht mir mein Herz und macht mich krank. Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand, und auf Tröster, aber ich finde keine.“
Wenn wir solche Erfahrungen der Trostlosigkeit in unserem eigenen Leben machen, befinden wir uns also in guter Gesellschaft. Immer wieder zeigt sich, dass menschlicher Trost unzuverlässig und brüchig ist. Selbst bei größten Bemühungen können wir anderen Menschen nicht alles geben, was sie in leidvollen Situationen nötig haben. Oft genug sind wir ja selbst Teil davon, gerade in engeren Beziehungen von Familie und Gemeinde. Dann haben wir womöglich eine zu große Nähe zu der betreffenden Person und sind zu sehr gefühlsmäßig mit betroffen, um gut trösten zu können.
Selbst dort, wo wir von Gott die Gabe des Trostes bekommen haben, kann es Situationen geben, in denen wir sie nicht zum Einsatz bringen können. Wie gut, dass es da noch jemand gibt, der nie versagt, wenn es ums Trösten geht. Auch davon lesen wir an ganz vielen Stellen in der Bibel, wo Menschen erfahren haben, dass … und das ist mein dritter Gedanke … Gott selbst der wahre Tröster ist
3. Gott selbst, der wahre Tröster
Asaf bezeichnet Gott in Psalm 73,1 als „Israels Trost“ (LUT), wie auch Jeremia: „Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer.“ (Jeremia, 14,8, LUT)
Hauptsächlich David beschreibt in vielen seiner Psalmen die Erfahrung, von Gott getröstet zu werden, z.B. Psalm 54,8: „Mit Freuden will ich dir Opfer bringen und deinem Namen, HERR, danken, dass er so tröstlich ist.“ (LUT) Psalm 94,19: „Ich hatte viel Bekümmernis in meinem Herzen, aber deine Tröstungen erquickten meine Seele.“ (LUT) 119,50.92: „Das ist mein Trost in meinem Elend, dass dein Wort mich erquickt. […] Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend.“ (LUT)
Gott selbst definiert sich in Jesaja 66,13 als jemand, der Trost spendet: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ und fordert zum Trösten auf in Jesaja 40,1: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ (beide LUT). Gerade diese zwei Stellen sind uns sehr vertraut, weil sie oft die ersten sind, die zitiert werden, wenn es ums Trösten geht.
Gott selbst als Trost und seinen Heiligen Geist, wie Jesus es selbst sagt, als Tröster zu verstehen und sich ihm anzuvertrauen, ist nicht für jeden Menschen leicht. „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.“ (Johannes 15,26, LUT) Viele von uns sind von Erfahrungen des Ungetröstet-Bleibens noch immer tief geprägt. Manche leben sogar mit der Überzeugung, Trost zu brauchen sei ein Zeichen von Schwäche und versuchen deshalb, ihren Schmerz mit sich allein auszumachen. So verständlich das ist, wenn ein Mensch über lange Zeit ungetröstet geblieben ist, ist es doch nicht das, was uns Gottes Wort lehrt.
Wie wir schon gesehen haben, ist die Bibel voll mit Erfahrungen von Menschen, die in schweren Zeiten Gottes Zuwendung, Ermutigung und Trost erlebt haben. Ja, Gott selber lädt uns immer wieder ein, zu IHM zu kommen mit allen Nöten und Belastungen. Jesus selbst hat diese Einladung ausgesprochen im sogenannten „Heilandsruf“ in Matthäus 11,28-30: „28Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (LUT)
Auch wenn hier nicht explizit vom Trost die Rede ist, so beinhaltet gerade dieses Bibelwort viele tröstliche Aussagen:
- Jesus lädt uns zu sich ein, wenn wir mühselig und beladen sind – wenn wir uns „abmühen und unter unserer Last leiden“ (Hfa). Wir müssen da nicht vor ihm verbergen. Es darf sein!
- Jesus sagt uns Erquickung zu, er will uns Ruhe geben. Die Hfa übersetzt „denn ich gehe behutsam mit euch um“ – für viele Menschen ist es eine ganz neue Erfahrung, dass jemand behutsam mit ihnen umgeht statt sie zu überrollen. Schon das Wissen um diese Möglichkeit kann uns trösten.
- Jesus lädt uns nicht zusätzliche Lasten auf, sondern lädt uns ein, von ihm zu lernen, wie Lasten getragen – und geteilt – werden können.
So wie dieses Wort von Jesus uns heute Trost geben kann, so beschreibt es Jeremia:
„Dein Wort ward meine Speise, sooft ich’s empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja doch nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.“ (Jeremia 15,16, LUT)
Vorher beklagt sich Jeremia bei Gott über die Belastungen, die sein Prophetenamt mit sich bringt – und auch danach finden sich noch Worte der Klage. Dieses ganze Kapitel ist ein Dialog zwischen Jeremia und Gott, in dem dieser seinem Propheten immer wieder Worte der Ermutigung zusagt. So hört Jeremia ganz direkt Gottes tröstendes Wort.
Asaf geht in Psalm 73,26 sogar noch einen Schritt weiter, indem er Gott selbst in den Mittelpunkt stellt: „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist DU doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (LUT)
Wie sind oft so sehr fixiert auf das, was Gott uns geben oder wo er uns in Belastungen Erleichterung schenken soll, dass wir manches Mal aus den Augen verlieren, wie wichtig es Gott ist, dass wir zuerst IHN suchen und nicht allein das, was er uns geben soll.
Hier sind uns die Menschen der Bibel an vielen Stellen Vorbilder, die sich auch dann nicht von Gott zurückziehen, wenn der Trost zunächst auf sich warten lässt, wie beispielsweise der Beter des 119. Psalms, der in Vers 82 sagt: „Meine Augen sehnen sich nach deinem Wort und sagen: Wann tröstest du mich?“ (LUT) Mag sein, dass das manchmal unser Problem ist, nicht lange genug dranzubleiben und auf Gott zu warten. Hier sind wir wahrscheinlich zu oft Kinder unserer Zeit, die – wie es mir mal ein junger Mann in der Beratung sagte – „alles wollen und das sofort“. Trost zu erleben ist aber i.d.R. keine Instant-Leistung, dafür braucht es vom Trost Suchenden auch die Bereitschaft, sich trösten zu lassen statt untröstlich bleiben zu wollen oder sich selbst zu trösten mit Dingen, die schnelle Abhilfe versprechen (Bsp. Ablenkung durch Fernsehen, soziale Medien, Arbeit, etc.).
Und es braucht von dem, der Trost spendet Zeit zum Warten auf den passenden Moment und das „richtige Wort zur richtigen Zeit“, um sein Gegenüber nicht mit billigem Trost abzuspeisen.
Neben eigenen positiven Erfahrungen des Getröstet-Werdens will uns Gottes Wort dabei helfen, zu Menschen zu werden, die in der Lage sind, andere zu trösten, zu ermutigen und ggf. auch mal zu ermahnen. So schreibt es ja Paulus an die Korinther:
„3Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, 4der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ (2. Korinther 1,3-4, LUT)
Es ist gut, wenn wir solche eigenen Trost-Erfahrungen gerade dann noch machen können, wenn wir sie in der Kindheit nicht erleben konnten. Da wurden wir vielleicht mit Sätzen wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ oder „Stell dich nicht so an!“ abgespeist statt echten Trost zu erleben. Und es ist gut, dass Gott uns so geschaffen hat, dass wir auch in höherem Alter noch lernen können. Gute und tröstende Erfahrungen mit Gott selbst und, wenn es uns geschenkt wird, auch mit anderen Menschen, können uns nicht nur selber aus Bedrängnissen und Schmerz heraushelfen. Sie können uns auch lehren, wie wir mit anderen Menschen liebevoll und tröstend umgehen, um sie mit der Hilfe des Heiligen Geistes ein Stück weit aus ihrer Trostlosigkeit hinauszubegleiten.
Fazit
Sicher gibt es zu diesem ganzen Themenfeld noch viel mehr zu sagen, aber ich möchte es bei diesen drei Gedanken belassen:
1. Schwere Zeiten sind seit dem Sündenfall im Leben von Menschen eher der Normalfall
als die Ausnahme. Das trifft auch auf uns Jesus-Leute zu.
2. Trost ist ein von Gott geschaffener Weg, um mit solchen schweren Zeiten hilfreich
umzugehen.
3. DER Tröster überhaupt ist Gott, der uns dazu einlädt, in schweren Zeiten IHN selbst zu suchen. Um uns zu trösten, begegnet er uns in seinem Wort, das er uns direkt oder
über Menschen sagt. So dürfen wir einander zu Tröstern werden.
Dazu segne uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.