Einstiegsgedanken
In den letzten Monaten habe ich immer wieder Situationen erlebt, in denen ich sehr entmutigt war, meine Gedanken kreisten und ich nicht zur Ruhe fand oder durch äußere Einflüsse regelrecht von Ärger und Wut überrollt wurde. Das bezog sich auf die Situationen und oft auch auf Personen, die damit in Verbindung stehen.
Es fiel mir zunächst sehr schwer, wieder einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen. Geholfen haben mir verschiedene Worte aus der Bibel, die am 13.1.2025 – nach einer neuen, emotional sehr belastenden Begebenheit - in meinen täglichen fortlaufenden Lesungen vorkamen. Daran möchte ich Euch teilhaben lassen.
Psalm 144, 2.7.8 (BasisBibel)
„2 Er ist meine Stärke und meine Burg, meine Festung und mein Retter. Er ist mein Schild, und ich vertraue ihm! […] 7 Aus der Höhe strecke mir deine Hände entgegen! Rette mich, reiß mich heraus aus den tosenden Wassermassen – aus der Gewalt fremder Herrscher! 8 Wenn es zum Schwur kommt, lügen sie, kommt es zum Handschlag, täuschen sie.“
David hat in diesen Versen so genau meine Gefühle getroffen, die durch ein bestimmtes Erlebnis ausgelöst wurden!!! Ich fühlte mich getäuscht und belogen, verraten von einer Person, der ich vertraut hatte.
Dass ein solches Empfinden schon vor ein paar tausend Jahren von einer ganz anderen Person, in einer ganz anderen Zeit und in einem völlig anderen Zusammenhang so zutreffend beschrieben wurde, war schon ein erster Trost.
Wenn David Gott so erlebt hat, als Stärke, Burg, Festung und Retter in lebensbedrohlichen Situationen, dann darf ich das auch heute für mich, dann dürfen wir das auch für uns erwarten.
Dabei beschönigt David nichts. Er sagt nicht, dass ja alles gar nicht so schlimm ist, wenn Gott dabei ist. Doch, es ist schlimm, es macht wütend und es tut weh!! Aber ich muss – wir müssen - damit nicht alleine bleiben. Wir dürfen Gott all unsere Gefühle sagen, auch Zorn und Wut auf Menschen, die uns verletzt haben. Und wir dürfen gleichzeitig uns unter seinen Schutz stellen, wo wir uns von diesen Menschen oder anderen bedroht fühlen. Das konnte ich nach und nach tun.
Matthäus 4,24-25 (Hfa)
„24 Dann fuhr Jesus fort: »Achtet sorgfältig darauf, was ich euch sage! In dem Maß, wie ihr auf meine Worte hört, wird euch Gott Verständnis schenken, ja, noch weit darüber hinaus. 25 Denn wer meine Worte begreift, der wird noch mehr Einsicht bekommen. Doch wer sich dafür verschließt, dem wird selbst das Wenige, was er hat, noch genommen.“
Auf den ersten Blick hat das, was Jesus hier seinen Jüngern sagt, nichts mit unserem Thema zu tun. Aber ich glaube, dass genau das auch für uns wichtig ist. Was sagt uns Jesus zu unserem Umgang mit den Menschen, die in irgendeiner Weise beteiligt sind und von denen wir uns vielleicht hintergangen fühlen?
Sicher kann es uns helfen zu sehen, wie Jesus mit solchen Situationen umgegangen ist und uns daran zu orientieren. Jesus hat z.B. noch kurz vor dessen Verrat mit Judas das Passah-Mahl gefeiert. Wenn ihm das möglich war, dann kann er auch uns die Kraft geben, Böses mit Gutem zu vergelten und die zu segnen, die uns beleidigen.
Markus 4,39 (Hfa)
„39 Jesus stand auf, gebot dem Wind Einhalt und befahl dem See: »Sei still! Schweig!« Sofort legte sich der Sturm, und es wurde ganz still.“
So hat sich mein Inneres angefühlt, wie ein Sturm, der tobt und sich nicht beruhigen lässt. Es war kaum möglich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren als diese kreisenden Gedanken, bis ich diesen Vers gelesen habe. Ich schrieb als Gebet in mein Tagebuch: „Herr Jesus, bitte gebiete Du dem Sturm in meinem Herzen, still zu werden.“ Und dann: „In dem Moment, wo ich das aufschreibe, kommt mir der Gedanke in den Kopf, dass Jesus mir sagt, ich solle dem Sturm selbst in seinem Namen gebieten.“
Nachdem ich das getan hatte, wurde ich schon ruhiger. Zuletzt kam dann noch die folgende Bibelstelle aus ...
1. Korinther 16,13-14 (Hfa)
„13 Seid wachsam und steht fest im Glauben! Seid entschlossen und stark! 14 Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten!“
Okay, das ist dann noch eine weitere Steigerung! Die Jahreslosung von 2024! Wichtig ist, dass sie nicht einfach so da steht, sondern sich an zwei andere Aufforderungen anschließt: „Seid wachsam und steht fest im Glauben!“ Wachsam zu sein bezieht sich sicher nicht nur darauf, was andere Menschen tun und lehren, sondern es gilt auch, wachsam zu sein, was unser eigenes Verhalten und unsere Reaktionen auf Angriffe betrifft. „Seid entschlossen und stark!“ Wir müssen uns mit unseren Überzeugungen nicht verstecken, sondern dürfen sie entschlossen vertreten. Stark zu sein ist per se nichts schlechtes, wenn wir den letzten Hinweis von Paulus beherzigen: „In allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten!“ Liebe bedeutet allerdings nicht, immer nachzugeben, sondern einen Menschen zu lieben, kann gerade auch bedeuten, ihn zu konfrontieren mit dem, was er selbst möglicherweise gar nicht sehen kann: dass sein Verhalten andere verletzt und vielleicht sogar nahe an Manipulation heranreicht.
Am 14. Januar bin ich dann noch auf eine andere Bibelstelle gestoßen, von der ich denke, dass wir sie als Zusage für uns als Hauskirche nehmen dürfen:
Jeremia 29,11 (Hfa)
„11 Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der HERR, habe Frieden für euch im Sinn und will euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung. Mein Wort gilt!“
Dazu müssen wir aber bereit sein, das Alte wirklich los zu lassen, damit unsere Hände und unser Herz überhaupt frei sind für diese Zukunft und diese Hoffnung!
Am 15. Januar stand 2. Korinther 2 in meiner Tageslesung an und mir wurde bewusst, was eine der größten Gefahren ist, wenn wir mit Angriffen umgehen müssen. Neben der Lieblosigkeit, mit der wir auf Lieblosigkeit uns gegenüber reagieren, ist es Unversöhnlichkeit – das Festhalten von Schuld anderer Menschen uns gegenüber, statt sie zu vergeben. Ich weiß genau, wie schwer das sein kann, zu Vergeben, wenn das Gegenüber so tut, als sei überhaupt nichts passiert oder sich keiner Schuld bewusst ist. Paulus macht aber deutlich, dass es dabei nicht allein um eine Sache zwischen mir und dem betreffenden Menschen geht. Unversöhnlichkeit hat eine viel tiefere geistliche Dimension. Und wenn uns die bewusst wird, fällt es uns möglicherweise leichter, zu vergeben.
2. Korinther 2,11 (Hfa)
„11 Denn wir kennen die Absichten Satans nur zu genau und wissen, wie er uns zu Fall bringen möchte. Aber das soll ihm nicht gelingen.“
Im Kontext dieser Stelle geht es um Vergebung bzw. darum, wie in Gemeinden mit Sünde umgegangen wird. Nachdem klar ist, was ein Mensch falsch gemacht hat, muss auch die Bereitschaft bestehen, ihm zu vergeben. Es ist nämlich so, dass Satan eine Möglichkeit hat, uns vor Gott zu verklagen, wenn wir nicht vergeben. Und er tut nichts lieber, als uns dazu zu bringen, selbst gegen Gottes Anweisungen zu leben. Dann hat er etwas gegen uns in der Hand und kann uns noch dazu ein schlechtes Gewissen machen. Deshalb ist es so zentral, dass wir bereit sind, denen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind – ob bewusst oder unbewusst.